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Marco Kehr

Marco Kehr

24.03.1984 in Erfurt – 28.09.2024 in Valladolid

„Niemals ein Abschied von der Liebe, der Dankbarkeit, den Erinnerungen an Marco. Wir feiern ihn jeden Tag - in Dankbarkeit. Für die Zeit, die wundervolle Zeit, die einem niemand mehr je wird nehmen können. Wir wollen ihn feiern, alles andere ergibt keinen Sinn.“

Lieder von und für Marco

Erinnerungen an Marco

Liebe Lesende,

hier ruht Marco Kehr. Egal, ob Sohn, Papa, Bruder, Partner, Freund, Cousin, Schwager, Kollege, einfach Marco, Mäccn oder „Der Dicke“ – er fehlt ohne Ende. Ohne Ende. Es macht sprachlos. So absurd scheint es, so unendlich grausam. Doch natürlich gibt es dennoch Worte. Sprachlos, still und stumm wollen wir nicht sein. Ja, es gibt Worte. Muss viele geben. Zwar nicht über die Trauer, keine finstere Poetik, aber übers Leben. Über Marcos Leben.

Ein Motorradunfall. In Spanien. Mit der Motorradgruppe. Marco war zur falschen Zeit am falschen Ort und jeder hat recht im Herzen, wenn man für sich denkt, bei einem „zur falschen Zeit am falschen Ort“, dass das unendlich banal, unendlich lapidar, unendlich phrasenhaft klingt. Uta, seine Mutter sagte „ich kann diesen Satz nicht mehr hören.“ Und dann sagte Ray: „aber das triffts nun mal.“ Unser Geist ist nicht dafür geschaffen, das zu akzeptieren, sagte Ray dann. Wie könnte man auch. Die unbegreifliche Katastrophe in all ihrer brüllenden Sinnlosigkeit.

Marco hatte ein schönes, ein erfülltes Leben gehabt. Wir können in all der Trauer und Sinnlosigkeit keine andere Wahl haben, als ihn zu feiern und hochleben zu lassen. Tun wir das jetzt. Überlassen wir dem Tod hier gewiss nicht das Feld. „Nützt nüscht“ pflegte er zu sagen. „‘S nützt nüscht“. Wirklich nicht. Wir wollen Marco gerecht werden. Nur einen Modus werden wir nicht im Stande sein, zu erfüllen. Und das ist Vollständigkeit. Über Marcos Leben. Es wird uns nicht gelingen. Wir müssen es geradezu einpreisen.

Umso wichtiger ist es, dass wenn ihr dies lest und Marco kanntet und sagt: „Dieses oder jenes wurde gar nicht über Marco, über Mäccn, erzählt – aber ich erzähle es dir jetzt.“ Darauf kommt es an. Dass man nie aufhört, von ihm zu erzählen.

Denn klar ist dabei eines: Jede und jeder hat seinen ganz eigenen Zugang zu ihm gehabt. Klar. Jeder kannte ihn ein bisschen auf eine eigene Art und Weise. Jeder verbindet ganz eigene Gedanken, Gefühle und Geschichten mit ihm. In diesem Schreiben hören Sie die Deutung und ganz viel Herz und Liebe für Marco von seinen Eltern, seiner Schwester sowie Chrish und Ste. Gehen Sie aber in sich und ruft euch, wach, wer er für euch war.

Kindheit und Familie

Seine Mutter Uta brachte Marco am 24. März 1984 hier in Erfurt zur Welt. Er war als Kind unkompliziert, eher ruhig, vergleichsweise introvertiert. Früher scherzten seine Eltern liebevoll, dass er einmal einer werden könnte, der in gediegener Akribie Dinosaurierknochen ausgraben könnte. Er war ein Kind, das sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen ließ. Fix im Modellbau. Ein Architekt ausgefeilter Lego-Welten. Landschaften, angereichert durch Mamas Topfpflanzen. Marco war ein Kind, das sich stundenlang mit sich selbst beschäftigen konnte.

Marco sollte lediglich für zwei Jahre ein Einzelkind sein, dann wurde Isabell geboren. Seine Illi. Den Namen hatte er selbst kreiert, Isabell war ihm als kleiner Junge zu sperrig. Die beiden waren sich immer nah und doch unterschiedlich in ihren Temperamenten. Er erfüllte weit mehr nur die Funktion des Bruders für sie – umgekehrt freilich auch. Er war ihr Spielgefährte, Kumpel, Geheimnisträger, Beschützer, sportlicher Rivale, aber immer Verbündeter, Herzensmensch. Sie hatten alles Vorstellbare miteinander, zusammen erlebt.

Seine Mutter Uta, war praktisch maßgeblich für ihn und seine Schwester da in seinem Heranwachsen, sein Vater, Ray war viel arbeiten, baute die Firma auf, in der sie einige Jahre später so viel Zeit gemeinsam zubrachten.

In der Schule hatten es ihm die Fremdsprachen besonders angetan. Und bis zuletzt sollte er gewissermaßen als Dolmetscher für seine Mitreisenden fungieren. Er war ein, wie sein Vater sagte „Sprachgenie“ und den vielleicht größten fremdsprachigen Auftritt hatte er auf Stes Hochzeit, als er in fließendem Französisch seine Rede als dessen Trauzeuge abhielt. Und wer nicht nur gut, sondern auch gerne andere Sprachen spricht im Leben, der beschäftigt sich auch immer mit dem „Anderen“, dem Hineinfühlen in Neues, bislang Fremdes. Und das passt so zu Marco, der ein so gutes Vorstellungsvermögen besaß. In seinem Jahr in Montana auf der Highschool in Chateau lernte er eine andere Welt kennen, da ging er mit 16 hin, für ein Jahr. Das Jahr war prägend für ihn. Mit den Kumpels dort brach der Kontakt nie ab.

Beruf

Seine Wege die folgen sollten, unmittelbar nach der Schule - alles andere als linear, geradlinig, vorgezeichnet, mit dem Navi angesteuert sein – geschweige denn – gelenkt von seinem Elternhaus. Jeder weiß, sein Weg landete in seiner Vita bei ELTROK. Mit Marco verliert ELTROK einen Geschäftsführer und Kollegen, der eine riesige Lücke hinterlässt. Menschlich, wie fachlich.

Als Marco um die 16 war, arbeitete er in Rays Firma erstmals mit. Im Grunde anonym wollte er bleiben. Man sollte nicht wissen, dass er Rays Sohn sei, das wollte er weder an einer großen, noch an einer kleinen Glocke hängen. Ray sah es wahrlich nicht vor, dass Marco mal bei ihm einsteigen würde. „Bloß nicht“, war lange die Devise, im Wissen darum, was ein Knochenjob es war, die Firma aufzubauen. Marco und auch Illi sollten nicht das Gefühl, die Bringschuld verspüren, das Lebenswerk des Vaters zwangsläufig zu ihrem eigenen zu machen. Nein, es gab keinen Plan für ihn im väterlichen Unternehmen. Dass er bei ELTROK einst mehr strandete als landete, war eher dem Ausschlussprinzip geschuldet. Er probierte sich aus. Die gedanklichen Möglichkeiten erstreckten sich vom Fluglotsen bis zum Tierarzt. Einmal dabei gewesen, wie ein Hund gechippt wurde, verwarf Marco diesen Plan aber. Ein Studium der Elektrotechnik in Köthen überzeugte ihn auch nicht. Also machte er eine klassische Lehrausbildung bei ELTROK. Er durchlief wie jeder Lehrling alle Ausbildungsstationen. Es war der übliche und harte Gang. Vorteile konnte er sich keine erhoffen, eher musste er sich umso stärker beweisen in der Belegschaft. Aber er konnte das. Marco legte sich ein dickes Fell zu. 2010 wurde er dann als Elektromonteur eingestellt, fünf Jahre später machte er seinen Handwerksmeister. Marco war technikaffin, begeisterungsfähig für Neuerungen - das sog er regelrecht auf. Er wollte verstehen, wie Dinge funktionieren. Ein guter Antrieb für alles.

2016 wurde er dann als Geschäftsführer bestellt. Marco war seitdem hauptsächlich und federführend zuständig für den KFZ-Park, die Lehrausbildung, die Bereiche Gewährleistung, Service und Objektinstandhaltung. Dazu kam und das war ausgesprochen fordernd und anspruchsvoll, der Bereich der Programmierung intelligenter Objektsteuerungen, wofür er leitend verantwortlich war. Zusammen mit einem Kollegen hatte er noch zuletzt den Aufbau und die Entwicklung des Bereiches

Photovoltaikanlagen und EV-Ladeinfrastrukturen vorangebracht. Da war viel Zeit und Energie hineingeflossen und auf einem guten Weg.

In seinem Arbeitsumfeld waren neben seinem Vater Ingo Schneppe, Jens Zeitschel, Jens Börner sowie die Geschäftsführer Ingolf und Marcus Danz, Ralf Hildebrand, Frank Janssen die engsten Kollegen. In nahender Zukunft hätte es angestanden, dass er die Firma hätte übernehmen und sie mit den anderen Geschäftsführern leiten sollen. Eine riesige Aufgabe, das wusste auch Marco. Er war immer zum Nachdenken auch über sich selbst fähig und bereit. Nicht nur über die Welt zu sinnieren, nein, sondern auch über sich selbst zu philosophieren, zeichnete ihn aus. Er wusste um Muskeln, an denen er noch arbeiten müsste, er hatte nie damit aufgehört, auch an sich selbst zu arbeiten. Wer ihn kannte, wusste, dass er nicht der große Stratege war, der vorab um drei, vier Ecken bereits vorrauschauend dachte. Aber in seinen letzten Jahren arbeitete er an seinem strategischen Denken, wie auch an seinem Urteilsvermögen, indem er viel zuhörte, kleine, aber sichere Schritte ging. Er war, wie sein Vater es formulierte „auf einem guten Weg der Verantwortung eines Firmenlenkers gerecht zu werden.“ Er werde ihm gerade auch in den täglichen Meetings mit ihm einfach ohne Ende fehlen.

Dass Marco auch Ecken und Kanten hatte, steht außer Frage. Dass es nicht zu jedem Kollegen eine gleich enge und vertraute Ebene und Beziehung hatte, versteht sich von selbst. Aber eins galt und gilt für alle in der Belegschaft: dass er ein Kollege war, der immer hilfs- und einsatzbereit war. Da war sich Marco für nichts zu schade; Ungeliebtes machte er trotzdem. Aber es war sein pragmatisches, lösungsorientiertes Denken und Handeln, das ihn ausmachte, auszeichnete, dass er sich zu helfen wusste, für alles eine Lösung dann doch fand. Die Firma war sein Mittelpunkt, ganz konkret in der Woche. Wohl auch, weil es ihm gelang, seinen Beruf mit seinen Leidenschaften, seiner Technikaffinität, seiner Freude an Innovation immer wieder zu verbinden. Auch wenn es manchmal vielleicht über das rein Erforderliche hinaus ging, aber eigentlich großartig, wenn einem das gelingt, einen Mix aus Beruf und intrinsischer, aus ihm selbst herausstammender Begeisterung herzustellen. Das Hobby im Beruf. Gut

Leben

Man wird Marco bei ELTROK nicht vergessen. Ihm ein herzliches Angedenken bewahren. Wie man das Erinnern genau wachhalten wird, nicht nur bei ELTROK, das wird die Zeit aus sich heraus entwickeln. Marco war begeistert von der nordischen Mythologie, den Wikingern. Ein harter Cut, ja, aber warum ist das hier wichtig? Weil man von den alten Nordmännern so einiges lernen und übernehmen kann. Das Memoria-Trinken zum Beispiel. Mit einem guten Tropfen, wenn das Vermissen mal wieder dröhnt.

Aber, wie Marco genau der wurde, der er war, in all seinen wunderbaren ihm innewohnenden Widersprüchen, Verästelungen, kurvigen Wegen? Wer ein Mensch wird, hat mit so vielen Faktoren zu tun, aber freilich zu einem großen Teil mit den eigenen Eltern selbst. Von seiner Mom hatte er vielleicht Elemente ihres sehr ehrlichen Wesens, ihres Phantasiereichtums, ihrer Sprachbegabung, ihrer Liebe zu Pflanzen, ihrer Aufgeschlossenheit mitbekommen. Von seinem Dad kann es wohl das Ausdauernde, Lösungsorientierte, Konstruktive, und vielleicht auch ein bisschen das Nachtragende gewesen sein. Fest steht, dass Uta und Ray als Eltern ihren Kindern, beiden, auch Isabell, einerseits Wurzeln, die Halt geben und zudem aber auch Flügel, die zum Fliegen einluden. Wurzeln und Flügel. Das ist mehr als nur Poetik und schöner Klang. Er genoss, wie Illi, ein Aufwachsen ohne angelegte Zügel.

Er lebte und liebte diese seine Familie aus der er stammte. In Erfurt oder hier in Struth-Helmersdorf, dem Waldgrundstück das ihn maßgeblich prägte und bis heute als Rückzugsort diente. Marco lebte jene humanistischen Werte, die er von seinem Elternhaus mitbekommen hatte. Er war ein moralischer Mensch. Auf den man sich verlassen konnte. Der Wahrheit zugetan. Marco war verbindlich und bedingungslos als Freund. Er hatte zu keiner Zeit einen großen Freundeskreis gehabt. Aber die beiden besten Freunde seines Lebens, die hatte er seit über 23 Jahren. Ste und Chrisch - Brothers from another mother. Es war „Verbundenheit auf den ersten Blick“, wie sie es beschrieben. Auf einmal stand er da im Klassenraum. Lange lockige Haare, roter Hoody, so kam er rein, in ihr beider Leben, wie er war, authentisch, cool, unverstellt. Ste und Chrisch schrieben so trefflich: „Was unsere Freundschaft so besonders machte, war ihre Leichtigkeit. Wir mussten uns nichts beweisen und konnten einfach sein, wie wir waren. Es war eine besondere Verbundenheit, die ohne viele Worte funktionierte.“

Man konnte bei Marco immer sein, wer man war und wie man war. Chrisch und Ste schätzten seine Treue, seine Verlässlichkeit, diese ihm so eigene Bedingungslosigkeit. Die Freundschaft der Drei und ihrer Familien, auch untereinander, war für ihn ein unbedingter emotionaler Sockel, ein fester Grund, auf dem sich sein Sozialleben aufbaute. Freunde, mit denen er nicht nur über Mauern sprang, sondern die mit ihm dann anschließend auch ins Krankenhaus gingen. Freunde, für die er alles getan hätte. Marco war bei all seiner ihm innewohnenden Innovationsfreude und Neugierde aber auch immer einer, der Traditionen pflegte, auf eine bunte, progressive Weise. Viele Redewendungen und Insider-Sprüche von früher blieben im Freundeskreis der Drei lebendig, als wären sie noch immer 18. Die gemeinsamen Erlebnisse und Erinnerungen wurden von ihm immer wieder zelebriert, und das wird Ste und Chrisch auch weiterhin begleiten.

Marco war loyal. Grundloyal. Er hatte es nie nötig, vor sich herzutragen, wer er war, was er darstellte. Seine Hilfsbereitschaft ist alles andere als eine Worthülse. Marco war da, wenn man ihn brauchte. Es gäbe unzählige Beispiele. Aber da parkte er schon auch mal das Auto vor einer Hochzeitsgesellschaft vor dem Haus Sonneborn, um seiner Mutter so schnell wie nur möglich, dabei zu helfen, wieder in ihre Wohnung gelangen zu können als sie sich ausgesperrt hatte. Im Hotel war er eine Bank, wenn man ihn brauchte. Für seine Freunde, für seine Familie. Er war da sehr pflichtbewusst. Und was so ernst klingt, das tat er aber immer mit Spaß an der Sache. Mit der Freude am für den anderen, die andere da sein. Zu anstrengend, zu weit die Wege, das gab es für ihn nicht.

Marco hat drei Lebenswege überhaupt ermöglicht. Marco hinterlässt drei so wundervolle Kinder. Als er 25 war, wurde er erstmalig Vater von Finnur. Die vergleichsweise junge Vaterschaft ließ ihn reifen. Liv Elice kam vier Jahre später. Nadine hatte sie beide zur Welt gebracht. 2021 hatte Lisa seinen jüngsten Sohn Mads bekommen. Er war Finnur, Liv und Mads ein toller Papa. Er wollte die Verantwortung als Vater immer wahrnehmen, ausfüllen und tat das auch. Ließ nichts anbrennen. Er wollte für sie da sein, wenn sie ihn brauchten. Er liebte sie aus ganzem Herzen. Er hatte sie an festen Tagen. Und ja, er war freilich meist der Wochenend-Papa, der Ferien-Papa, der Highlight-Papa. Er war ein Erlebnis-Papa, ja, Marco hat so viel mit seinen Kindern unternommen. Ob Thüringer Wald oder Serengeti.

Action durfte es sein. Und wir hatten es ja bereits von Marcos stark ausgeprägter Vorstellungskraft. Und die kam für ihn auch als Papa zum Tragen. Denn er hatte deshalb ja auch so viel Spaß und Herzenslust am Papa-Sein, weil er da sein inneres Kind gepflegtwieder rauslassen konnte, es spielen lassen konnte. Und er war, wie Liv bestätigen kann, der weltbeste Imitator der Eisprinzessin aus den Boxen des Autos. Und apropos Autos, für
die konnte er sich begeistern, als sei er noch ein Kind. Ob für den Fuhrpark oder seine eigenen.

Er konnte sich gut hineinfühlen ins Kindsein. Vielleicht weinte er deshalb auch bei Finnurs Jugendweihe. Weil er wusste, dass Kindheit unendlich kostbar ist, so schön das Erwachsenwerden auch sein mag. Vermutlich, ganz sicher sogar, kommt Marco hier als Papa in diesen Zeilen zu kurz. Ihr als seine Kinder sollt aber immer die sein, die am lautesten gehört werden sollen, wenn es um ihn geht.

Dass Marco die gelebte Abenteuerlust und Erlebnislust war, das kann wohl jeder, ob klein ob groß unterstreichen. Ruhe- und rastlos dabei. Immer ein neues Ziel im Fokus. Er machte mit Illi damals den Skilehrer- und Snowboardlehrer zusammen, als sie mit dem Abi fertig waren und Marco war bedingt durch sein Jahr in den USA und bei der Bundeswehr, mit seiner Schwester auf einem Tableau im Leben. Sein legendärer Ford Probe brachte sie irgendwie dorthin. Und das war eine super Saison, die die beiden erlebten. Er war zudem stark darin, den Bergen und Gipfeln eigene, ad hoc erdachte Namen zu geben, wenn er von Winterurlaubern danach gefragt wurde. Dass Illi lange weg war aus Erfurt, tat ihrer Beziehung keinen Abbruch. Er besuchte sie oft und hielt sie auch bei seinen Kindern als Tante präsent.

Marco liebte sportliche Herausforderungen. In Vielseitigkeit. Ob beim Crossfit, Wakeboarding, Mountainbiking, Skifahren oder beim Beachvolleyball. Er reiste gern und oft ins Ausland. Er war angetrieben vom Bereisen und Entdecken neuer Orte. Marco suchte stets nach neuen Erlebnissen und Herausforderungen, die ihm die Welt bieten konnte. Er liebte die Natur. Besonders dem Wasser und natürlich den Bergen war er sehr verbunden. Ob er sie bestieg, mit dem Fahrrad befuhr, wie begnadet auf Skiern, einem Snowboard stand oder auf seinem Motorrad saß, unterwegs ob allein oder mit der Motorradgruppe. Er war totaler Könner auf allem Fahrbaren, wie auch in anderen körperlich motorischen Bereichen. Brauchte etwa sein Vater Ray wochenlange Lehrgänge in der Karibik, den Kanaren und der Nordsee, um Kitesurfen zu lernen, um dafür mehr schlecht als recht auf dem Brett zu stehen, so war Marco bereits nach einem Vormittag zu ersten Kunststückchen bereit.

Waghalsig, das war er aber in dem Sinne nicht. Nein, er hatte kein leichtsinniges Wesen. Er begab sich in Risikosituationen, aber immer mit Bedacht. Ein Spanngurt reicht auch in den meisten Fällen, um einen Weihnachtsbaum mit dem Bus ins Hotel zu bugsieren. Und so wie der Spanngurt flackerte, so sind es jetzt, wie seine Mutter sagte, all die „losen Enden“, die überall hängen. Und sie werden hängen bleiben. Wie Spuren, die ihn überdauern. Trotzig überdauern.

Marco besaß eine gesunde positive Lebenseinstellung und eine gewisse Leichtigkeit. Zu ernst nahm er sich selbst nicht. Wenn man ehrlich ist, ist es ein Glück, wenn man das kann, und eigentlich ziemlich rational. Und resilient. Verpasste er seinen Flieger, freute er sich, dass er dafür mit dem nächsten ankam und grämte sich nicht über etwas was ohnehin nicht mehr zu ändern war. Wenn es nachts keinen Wein mehr gab auf dem Hausboot, dann ärgerte er sich nicht darüber. Auch wenn er einfach vorab mehr hätte einkaufen können, so stiegt er dann mit seinem Sohn Finnur aufs Standup-Paddle in der Dunkelheit und besorgte noch etwas zum Trinken in der Nähe.

Mäccn war das pure Leben und doch immer fähig, Ebenen der Reflexion, des Nachdenkens, nicht nur über die Welt, ja auch über sich selbst zu praktizieren. Seine Herangehensweise an das Leben, im Beruflichen, wie auch im Privaten, seine frischesten Pläne mit einer feinen Melange aus Chaos und Romantik zu garnieren, bedeutete nie Langeweile. Nie. Und Ray fasste das in ein winziges Amulett zusammen, als er erzählte, wie Marco mal einen Mietwagen im Urlaub klarmachte und sich für – das Mini-Cabrio entschied. Mit Frau, Kind und Kinderwagen. Das war, in aller Herzlichkeit, Marco.

Begeisterungsfähig wie er war. Ansteckend wie er war, in seinem Enthusiasmus, in seiner Lust auf Welt, in seiner Lust auf Leben in all seiner Power und Spontaneität. Marco war jemand, der die Menschen, die er mochte, gern zusammenbrachte. Der immer „Bock“ hatte, was zu unternehmen. Ob einfach ins Restaurant, oder die große Bergtour. Sein Ideenreichtum war in all seiner Rastlosigkeit riesig. Und dennoch, man konnte sowohl
stundenlang reden oder einfach gemeinsam schweigend den Moment genießen. Die Zeit
mit ihm war immer entspannt und zwanglos. Man fühlte sich in seiner Gegenwart wohl,
egal, was man gerade tat. Alles war unkompliziert und locker.
Er war jemand, der den Glauben in seinen Freunden, seiner Familie an sich selbst förderte, weckte, anfachte. Das darf nicht aufhören. Und sein Vater sagte, wenn Marco unbeeinflusst sein Leben gestaltet hätte, dann wäre er, so vermutete er, sicher als Aussteiger in der Karibik als Kite- oder Surflehrer gestrandet. Und irgendwie, obwohl er nie ausgestiegen ist im klassischen Sinne, war er in all seiner unkonventionellen Art ein Aussteiger, ohne ausgewandert zu sein. Denn wichtiger als jedes Erlebnis dieser Welt war ihm, es mit jemandem zu teilen, teilen zu können.

Abschluss

Ihr als seine Kinder, Familie und seine Freunde, ihr habt ihm die Welt bedeutet. Er inspirierte seine Liebsten dazu, das Beste aus jedem Moment herauszuholen. Den Moment zu leben. In Finnur, Liv und Mads lebt er weiter. Unweigerlich. Und das muss Trost geben. Das ist sicher. Und er lebt in jedem weiter, der sein Herz für ein Erinnern an ihn öffnet. Und man wird auf eine Weise erinnern, wie er war; man wird ihn auf eine Weise im Herzen tragen, wie er war: denkt an die schöne, wunderbare Zeit mit ihm, ruft sie euch wach. Bleibt für Marco erpicht aufs Erleben dieser Welt. So sehr er auch dabei fehlen wird, jeden Tag.

Er war lebensfroh, lebenshungrig, lebensbejahend. Und ein Lebenskünstler. Jetzt müssen alle Erinnerungskünstler werden. Das aber, sagt sich so leicht und geht nur zusammen. „Well, it's always better when we're together.” (Jack Johnsen)

Seid füreinander da. Tut es für euch und ihn. Feiert diesen herzenstollen Typen. Jetzt, morgen und immer. Die schöne Zeit mit Marco kann einem keiner nehmen. Und deshalb, wenn man eines ihm jetzt noch Gutes tun kann, dann… dieses Leben weiter zu lieben, zu tanzen, zu schmecken und zu leben – für Marco.

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